Künstlervillen - westlicher Rundgang

Quelle: Stadt Fürstenfeldbruck, Autor: Petra Vögele

Die Tour

Entdecken Sie architektonische Schätze auf einem Rundgang durch die Villengebiete in Fürstenfeldbruck

Die Prinzregentenära und die letzten Jahre der Monarchie – was für eine spannende Zeit!

München wurde zu einem Hotspot der internationalen Kunstszene. Schwabings Bohème lockte Kunstschaffende aus der ganzen Welt zu uns nach Bayern.

Und der beschauliche Markt Bruck inmitten einer charmanten abwechslungsreichen Flusslandschaft wurde zum Geheimtipp unter den Malern. Hier konnte man unbeschwert, ganz nach französischem Vorbild malen – „en plein air“. Es entstand eine Künstlerkolonie, und kamen die Künstler zunächst nur zu Freilichtstudien mit dem Zug aus München zu uns, so siedelten sie sich bald dauerhaft an.

Aus einem Lebensgefühl wurde schnell ein Trend, und es zogen nicht nur wohlhabende Maler nach Bruck, sondern auch Literaten, Privatiers, Ärzte und Fabrikanten.

Namhafte Architekten wie z.B. Gabriel von Seidl (Deutsches Museum), Karl Stör (Deutsches Theater) und unser Lokalmatador Adolf Voll haben auf eindrucksvolle Weise mit ihren Bauten das Stadtbild geprägt.

Autorentipp

Gönnen Sie sich eine Pause in einem der schönen Cafés in der Fürstenfeldbrucker Innenstadt!

Info

Aufstieg
3 hm
Abstieg
7 hm
Tiefster Punkt 517 m
Höchster Punkt 524 m
Dauer
35 min
Strecke
2,5 km

Beste Jahreszeit

Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember

Wegbeschreibung

Start

Fürstenfeldbruck, Bahnhof

Ziel

Fürstenfeldbruck, Schöngeisinger Straße

Weg

Eine der schönsten Villen der Stadt wurde 1924 gebaut.

Sie finden diese Villa in der Nähe der Aumühle. Wenn Sie mit der S-Bahn am Brucker Bahnhof ankommen, gehen Sie nach links die Bahnhofstraße entlang bis Sie an der Kreuzung auf die Oskar–von-Miller–Straße stoßen. Biegen Sie nach links ab – im Hintergrund können sie den Turm der Klosterkirche Fürstenfeld sehen – und folgen Sie dem Fußweg (ca.5 Minuten) – bis zum Zebrastreifen. Hier überqueren Sie die Straße und können das Anwesen nun nach ca. 100 m vom Stadtpark aus rechs über einen kleinen Kanal betrachten.

Der reiche Mühlenbesitzer Anton Aumiller gab dieses Prestigeobjekt bei dem Architekten Adolf Voll in Auftrag. Das Anwesen liegt inmitten eines Parks. Ein parkseitiger, Loggia ähnlicher Eingang , Rundbögen, Quergiebel, Sprossenfenster mit Fensterläden bereichern die Fassade. Typisch für den Heimatstil, der bis nach dem Zweiten Weltkrieg modern war, sind die vielen alpenländischen Zierelemente. Trotz seiner Größe wirkt das Haus einladend und behaglich. Adolf Voll hat auch die Inneneinrichtung geplant. In den lichtdurchfluteten, wohlproportionierten Räumen finden wir z.B. holzvertäfelte Sitzecken, bis ins Detail geplante geschnitzte und gedrechselte Bordüren an Balustraden – in allem hat der Architekt großen Qualitätssinn bewiesen.

Das Haus hat mehrmals den Besitzer gewechselt. Die Weltwirtschaftskrise war der Grund dafür, dass Anton Aumiller sein Haus verkaufen musste - ein Pelzfabrikant zog ein und nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Amerikaner in diesen Räumen ihr Offizierskasino betrieben. Heute befindet das Anwesen in Privatbesitz.

Folgen Sie dem Fußweg durch den Park in Richtung Fürstenfelder Straße. Schon nach ca. 200 m stehen Sie vor der „Lechner Villa“ (Fürstenfelder Str. 20), die als eine der ersten als Künstlerwohnhaus gebaut wurde. Es war ein Fotograf, der das Grundstück 1873 erwarb und sich hier niederließ – die Fotografen sahen sich in dieser Zeit durchaus als Künstler, denn sie hatten nicht nur ein Auge für Motive und Gestaltung, sondern sie kolorierten auch mit modernsten Verfahren Bilder in Aquarell und Ölmalerei. Das Wohnhaus hat ein vorstehendes Walmdach, ein Zwerchhaus mit Fassadengliederung in historisierenden Formen und eine Madonna als Nischenfigur, die typisch für die Erbauer-Zeit Ende des 19. Jahrhunderts ist. Das „Photografie-Aufnahme-Lokal“ befand sich im Garten. Bis 1909 wurde das Atelier von Fotografen genutzt. Das Haus ist in Privatbesitz und beherbergt heute eine Tierarztpraxis.

 Nicht direkt als „Künstlervilla“ zu bezeichnen, doch durchaus bemerkenswert, ist das markante ehemalige Postgebäude gegenüber, zwischen Fürstenfelder- und Bahnhofstraße gelegen. Nach den Plänen von Robert Vorhoelzer wurde dieser dreigeschossige Bau mit konkav eingezogener Front und flachem Walmdach 1931 errichtet.

Gehen Sie von hier aus den Fußeg direkt links von der Villa durch den Park, biegen Sie an der Eisenstehle rechts ab und gehen weiter geradeaus Richtung Silbersteg über die Amper. Überqueren Sie die Schöngeisinger Straße rechs an der Fußgängerampel und gehen die Viehmarktstraße geradeaus über über den Viehmarktplatz bis zur "Villa Lederer" (Viehmarktstr. 6).

1906 ließ sich der Brucker Arzt Dr. Franz Lederer diese großzügige Villa mit Veranda im neobarocken Stil erbauen. Blattgirlanden (Festons) zieren die Fassade, Walmgiebel, große Sprossenfenster mit Fensterläden und natürlich der Asklepios Stab als Symbol für den Mediziner sind auffällige Details. Man führte ein geselliges Leben und ein offenes Haus. Künstler waren immer willkommen. Der Grafiker und Maler Heinrich-Herrmann Walter war hier viele Jahre zu Gast. Er heiratete die Tochter des Hauses, die Schauspielerin Agathe Lederer.

Gehen Sie nun hinauf zur Pucher Straße und biegen Sie links ab. Die eindrucksvollste Villa (Pucher Str. 56) steht als Schlussstein symmetrisch ausgerichtet auf die Kapuziner Straße. Der Kunstmaler Max Landschreiber beauftragte 1926 den Architekten Adolf Voll mit dem Bau dieses neoklassizistischen Baus . Ein Mittelrisalit mit Turmaufsatz und die großen Sprossenfenster mit Fensterläden ziehen den Blick auf die Fassade. Max Landschreiber war Gründungsmitglied und Vorsitzender der Brucker Künstlervereinigung.

Links und rechts von diesem Haus stehen bescheidenere Häuser, die auch von dem Architekten Adolf Voll geplant wurden. Ganz dem neuen Heimatstil entsprechend zieren diese Häuser dekorative Elemente wie Aussägearbeiten an Dächern und Giebeln, oder auch vorgeblendete Schweifgiebel – eine Zierform des Jugendstil, die Voll häufiger verwendete.

Folgen Sie der Kapuziner Straße bis zur nächsten Kreuzung und biegen Sie in die Ludwigstraße ein. Die Ludwigstraße war ein beliebtes Neubaugebiet Anfang des 20. Jahrhunderts.

Das Doppelhaus Ludwigstr. 24 – linke Hälfte – ließ sich der Kunstmaler Paul Wilhelm Keller Reutlingen 1909 erbauen. Ein großes Wohnhaus (inklusive Atelier) im Heimatstil mit Spitzerker und vorkragendem Krüppelwalmdach. Auch ihn zog es nach längeren Studien in Stuttgart, München und Italien in die Malerkolonie nach Fürstenfeldbruck.

Schlendern Sie nun zurück zum Viehmarktplatz und betrachten Sie die Fassaden der alten Häuser im Stil des Historismus entlang der Ludwigstraße. Sprossenfenster, Veranden, Spalier und Schreinerarbeiten an Dachgebälk strahlen Wohnlichkeit aus.

Über den Viehmarktplatz geht es rechts zurück auf die Schöngeisingerstraße, wo auf Hausnummer 6 im sogenannten Bexenhaus in einer Wohnung nach dem Ersten Weltkrieg das Malerehepaar Adolf und Selma des Coudres lebte. Adolf bevorzugte die Landschaftsmalerei, Selma studierte bei Adolf Hölzel und Julius Exter und malte Stillleben und Porträts. Sie illustrierte Lyrikbände – darunter auch einen Gedichtband von Joachim Ringelnatz, mit dem sie eine lange Freundschaft pflegte. Ihre große Villa in der Emmeringer Straße musste das Ehepaar auf Grund finanzieller Probleme in der Nachkriegszeit verkaufen.

Anreise

Öffentliche Verkehrsmittel

Der Bahnhof Fürstenfeldbruck ist mit der S Bahn S 4 in einer halben Stunde von der Münchner Innenstadt aus zu erreichen.

Anfahrt

Über die A 8 und B 471, A 99 und B 2 oder über die A 96 und B 471 in die Amperstadt

Parken

Der größte kostenlose Parkplatz in der Innenstadt befindet sich auf dem Volksfestplatz. Auch vom Parkplatz Fürstenfeld (Fürstenfelder Straße) gelangt man in einer Viertelstunde über einen schönen Fußweg an der Amper entlang in die Innenstadt. Weitere, teils kostenpflichtige Parkplätze gibt es unter anderem am Viehmarkt, an der Kirchstraße, Auf der Lände und an der Dachauer Straße. Für die erste Stunde kann ein Freiparkticket gezogen werden, ansonsten ist die Parkgebühr sehr moderat. Unter dem City-Point an der Schöngeisinger Straße gibt es eine große Tiefgarage. Bei einem Einkauf in den dortigen Läden sind 90 Minuten Parken frei. Ansonsten wird eine Parkgebühr fällig.

Ein Busparkplatz befindet sich an der Julie-Mayr-Straße.

Weitere Informationen

Die Häuser mit ihren historisierenden Elementen stehen etwas verstreut in der Altstadt, sodass Sie sich für Ihren Spaziergang in Fürstenfeldbruck ca. 1 bis 2 Stunden Zeit nehmen sollten.

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