| Quelle | Datacycle |
ALICE . Petra Peček + NETZWERK AKS
Die Veranstaltung
Wunderland - das klingt nach einer Versprechung in rauen Zeiten. Und in denen befinden wir uns ja momentan. Es sind Zeiten, in denen uns Empathie und Menschlichkeit abhanden zu kommen drohen und sich Fragen der Zugehörigkeit und Identität in eine neue Dimension katapultieren. Zugehörigkeit angesiedelt am falschen Ende der Welt kann lebensbedrohliche Konsequenzen haben und es gibt bessere und schlechtere Pässe, die Identität definieren und jeweils völlig andere Möglichkeiten der Lebensgestaltung bedeuten.
In Anbetracht all dessen erscheint die Frage nach einer individuellen, intimen Identitätsfindung heute fast wie ein Luxus, den sich nur der behütetere Teil der Welt leisten kann. Und doch sind Fragen wie diese als künstlerischer Akt der Selbstbehauptung auch gesellschaftlich relevant, betrachtet man die Kunst als Teil eines großen Ganzen, das als solches auf der Suche nach neuer Gerichtetheit und Authentizität ist und neben zutiefst destruktiven Aktionen in seinen besseren Teilen auf Frieden zielende Anteilnahme und positiven Gestaltungswillen zeigt.
Starke, assoziative Bilder helfen hier weiter.
Wunderland wie Alice sind solche und aktuell als morphische Felder weit verbreitet. Sie sind in vieler Munde und tauchen europaweit in diversen Programmheften auf. Die Sehnsucht nach einem Wunderland , das im Titel von ALICE gar nicht vorkommt doch als Vollendung eines unausgesprochenen Satzes immer mitschwingt, ist spürbar groß – . Und Alice steht ja per se als Synonym für eine personifizierte Zeitreise hinein in eine andere, fantastische, möglicherweise bessere Welt. Ob dem in ALICE so ist, bleibt die Frage, die am Ende des Tunnels – oder wie in dieser Bearbeitung von Petra Peček, am Ende einer grell orangefarbenen Kinderrutsche, die das mobile Zentrum des Bühnenbildes bildet - wartet.
Vier Frauen (Marlett Araújo, Unita Gay Galiluyo, Jye Hwei Lin, Petra Peček) sind ALICE in der Erforschung ihrer jeweiligen tänzerischen Authentizität und Suche nach verbindlicher Zugehörigkeit. ALICE ist verspielt, abstrus, dynamisch getanzt und überraschend verlangsamt in Momenten der Erkundung innerer Zustände, die ihren Weg in eine der Performerin im Moment des Erlebens noch unbekannte, äußere Form suchen.
ALICE gewährt Einblicke in die Prozesshaftigkeit menschlichen Lebens, weniger im Hinblick auf seine theoretischen Entwürfe und greifbaren Ziele als auf den Moment der Verortung im Hier und Jetzt.
Wir dürfen beobachten, wie die Vier, allein und doch gemeinsam, aus einem inneren Ort des Erspürens heraus sich mit unprätentiöser Aufrichtigkeit der eigenen Körperlichkeit, des eigenen noch-DA-Seins vergewissern; und uns in ihre tastenden Zweifel und Fragen undogmatisch mit einbeziehen.
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